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Zeitzeugenbesuch im EA-Kurs Geschichte

Am Dienstag, dem 14. Januar, kam es im EA-Kurs Geschichte 12 zu einem besonderen interkulturellen Austausch. Zu Besuch war eine Zeitzeugin, die als Kind die Blockade Leningrads (heute: Sankt Petersburg) durch die deutsche Wehrmacht erlebt und von ihren Eindrücken berichtet hat. Frau Lea Sorina, heute über 80 Jahre alt, war beim Beginn der Blockade im September 1941 acht Jahre alt und lebte im Zentrum der belagerten Stadt.

Seit Schuljahresbeginn beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Seminarfachs mit Aspekten des deutsch-russischen Verhältnisses, im Besonderen den Hintergründen der Blockade Leningrads, die im September 1941 begann, insgesamt 892 Tage dauerte und etwa 1,1 Millionen Menschen in der belagerten Stadt das Leben kostete durch Bombardements bzw. den Hungertod. Die Einschließung der Stadt durch die deutschen Truppen mit dem Ziel, die Leningrader Bevölkerung systematisch verhungern zu lassen, war eines der eklatantesten Kriegsverbrechen der deutschen Wehrmacht während des Krieges gegen die Sowjetunion.

Die Schülerinnen und Schüler entwickelten nach einigen einführenden Stunden Fragestellungen, denen sie in der Folge forschend nachgingen und die schließlich in einer Stellwand-Präsentation mündeten. Themen waren unter anderem Fragen nach den demografischen und medizinischen Folgen des Hungerns, der Beziehung Stalins zur eingeschlossenen Stadt, dem Vorgehen der Wehrmacht, etc.

Frau Sorina vermochte durch ihre eigenen Erfahrungen unseren bisherigen Erarbeitungen ein Gesicht zu geben, zum Beispiel durch Schilderungen der Wohnverhältnisse und des schleichenden Verschwindens zahlreicher Bewohner, die den Folgen des Hungerns erlagen oder für immer körperlich und psychisch durch die Auswirkungen der Mangelernährung geschädigt wurden. Auch die Schilderung ihrer Evakuierung über den zugefrorenen Ladoga-See sowie der wochenlangen Bahnfahrt ins sichere Sibirien zogen alle Zuhörer in ihren Bann.

Besonders berührend waren ihre optimistischen Schlussworte, in denen kein Groll gegen Deutschland zu verspüren war, sondern die von Versöhnung und gegenseitigem Verständnis sprachen. Für uns alle war dies eine Geschichtsstunde der besonderen Art.