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“The law is the law.”

Der britische Erfolgsautor Kevin Brooks liest am 24.3.22
in der MPG-Aula

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Literarisches Zentrum Göttingen und Max-Planck-Gymnasium

Ein Jugendroman, der in der Welt der Londoner Straßengangs spielt und Gewalt und Gesetzlosigkeit in den Mittelpunkt stellt, erzeugt Erwartungen. Man rechnet mit Action, mit schockierenden, vielleicht verstörenden Darstellungen.
Doch waren es die leisen und philosophischen Stellen, die Kevin Brooks für den 9. Jahrgang unserer Schule aus seinem neuesten Roman Bad Castro ausgesucht hatte. Sie stimmten überein mit der zurückhaltenden und nachdenklichen Persönlichkeit des Autors sowie dem Vortrag Anna Paula Muths vom Deutschen Theater. Muth las die deutsche Übersetzung vor und griff den tastenden, erörternden Ton des Textes auf.

Auch das Publikum passte sich an: Hochkonzentriert hörten die Anwesenden zu, die Fragen im Anschluss zielten auf die persönlichen Kommentare des Autors und auf die moralischen Widersprüche in Brooks Roman ab.

Was ist Gesetz?
So versuchen die beiden Protagonisten der Geschichte, der Gang-Leader Castro und die junge Polizistin Judy Ray, in ihren Gesprächen aufzudröseln, welches Gesetz eigentlich wo gilt. Während Castro behauptet, es sei lediglich eine Ansichtsfrage, was recht und unrecht ist, beharrt Judy auf der allgemeinen Gültigkeit des Gesetzes, dem sie selbst sich verpflichtet hat. Aber so einfach ist es nicht, wie Judy bald klar wird. Die Regeln in Castros Parallelwelt decken sich doch zu oft mit dem, was auch in der vermeintlich gesetzestreuen Existenz an der Tagesordnung ist. Castro zeigt sowohl Judy als auch den Zuhörenden Ungereimtheiten auf – bis hin zu der Beobachtung, dass sich gegenseitig  bekämpfende

Gangs als Outlaws gesehen würden, wohingegen es als Heldentat gelte, in einem Krieg für sein Land zu töten.

No preaching

Brooks nimmt seine junge Leserschaft ernst. Er mutet ihr die Brutalität unserer Welt zu und fordert sie damit gleichzeitig auf, in der Auseinandersetzung zu wachsen und selbst Fragen zu stellen. Probleme der Identitätssuche gehen damit ebenso einher wie die Beschäftigung mit dem Ziel und dem Sinn des Lebens, jedoch stets, ohne zu moralisieren, denn “preaching and teaching“ liegen Kevin Brooks fern. Es sind wohl diese Qualitäten, die ihm neben zahlreichen begehrten Anerkennungen auch den Deutschen Jugendliteraturpreis für seinen Roman The Road oft he Dead eingebracht haben.