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Material: Buch – Galeria Supplement zeigt Arbeiten aus dem Max-Planck-Gymnasium

Der wahre Zweck eines Buches sei, den Geist hinterrücks zum eigenen Denken zu verleiten, meinte die österreichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach. Ob man das Buch dazu lesen müsse oder aber etwas ganz anderes damit anstellen könnte, blieb ungesagt. In der Galerie Supplement sind in der Ausstellung „Das zweite Leben der Bücher“ derzeit Bücher zu sehen, die fraglos zum Denken anregen – auch wenn man aus ihnen kein einziges Wort gelesen hat.
Auf dem Boden, an der Decke und den Wänden des Galerieraumes in der Burgstraße sind Kunstwerke ausgestellt, die aus Büchern gemacht sind.

Als die Schulbücherei des Max-Planck-Gymnasiums entrümpelt wurde, lag ein mittlerer Berg von Büchern zum Abtransport bereit: Klassiker in Frakturschrift, veraltete Lehrbücher und unzeitgemäße Lektüren. Die Kunstpädagogin und Künstlerin Annemarie Prell konnte daran nicht einfach vorbeigehen. Bald haben Schüler ihres Ergänzungsfachkurses aus dem besonderen Werkstoff Objekte gebaut, die das Material und die Form sprechen lassen. 
So haben Tabea Teichmann und Julia Preuss ansprechend gereihte Baumstämme aus aufgefächerten Büchern gestaltet, Fabian Sordon einen Baum mit zwei fein gefalteten Büchern bestückt, Wisam Karim, Thomas Honecker und Leonard Hartung das Buch als Kontrapunkt und Grundstein zugleich für jedes neue Medium gesehen. Michelle Disep lässt wunderschön aus Büchern regnen und daraus Blumen in den Köpfen erwachsen, an anderer Stelle reckt sich Goethes Faust empor. An die Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten gemahnen Franziska Gerken und Celina Nagel mit einigen angebrannten Exemplaren und dem Heine-Zitat aus „Almansor“, abfotografiert am Albani-Platz.
 
Neben den Schülern zeigt MPG-Lehrer Hilmar Stemmler eine neue Folge von Collagen, diesmal nicht aus Tageblatt-Fragmenten, sondern gleichwohl aus den geretteten Büchern zusammengesetzt. Ein ganzes Alphabet zieht sich in kleinem Format die Wände entlang. Jedes Blatt ein Buchstabe, sind sie von großer Dichte und Konzentration, stimmig Form, Farbe, Proportion und Lineament. Inhaltlich mag das „F“ beispielsweise dem Frühling das Wort reden, das „N“ der Nacht oder auch das „L“ der Lust, die Interpretation aber bleibt dem Betrachter.

Im Zusammenklang der reduzierten Farbigkeit der Objekte mit den Collagen und besonders in der Reduktion auf Form und Material überzeugt diese Ausstellung sehr.  Und hinterrücks, gerade heraus oder auch mal auf einem Umweg ist man zum Denken verleitet. Und das sehr gern.

In der Galerie Supplement, Burgstraße 37 in Göttingen, bis zum Donnerstag, 3. April, von 10 bis 13 und von 15 bis 18 Uhr.