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„Fremde Welten“: Schreibwettbewerb der 8. Klassen 2020

Daran, dass die Vorgabe „Fremde / ferne Welten“ des Schreibwettbewerbs so genau zu der uns umgebenden Welt passen würde, dachte niemand, als im Januar ein Schreibanlass gewählt wurde. Einer der Beiträge, die in diesem Jahr ausgezeichnet wurden, der Text „Blauer Himmel“, vermittelt die Fremdheitserfahrung im Vertrauten, der wir alle in den letzten Monaten immer wieder ausgesetzt waren:
„Auf der Hauptstraße sehe ich ein paar Leute Richtung Supermarkt gehen. Falls sie zu nah kommen, kann ich schnell die Straßenseite wechseln. Es ist kaum Verkehr. Ich fange an zu schwitzen in den Handschuhen. Ich gehe durch die Innenstadt zum Supermarkt. Die Läden sind geschlossen und die Schaufenster sind leer. […] Ich mache den Fernseher an und schalte durch die Kanäle. Überall dasselbe. Ich schalte aus und schaue aus dem Fenster. Immer noch Sonne.“
Es gelingt der Autorin aus der 8e2 in einem knappen Text sehr genau zu beschreiben, wie es ist, wenn die Welt sich plötzlich leert und das zielgerichtete Streben aussetzt.

Das Fremde im Normalen ist das Thema der Geschichte „Fremde Welt“ von Leandra Späth aus der 8e1. Lebendig, einfühlsam und mit Witz wird aus zwei Perspektiven der Beginn einer Freundschaft erzählt:
„Ich ließ meine Mutter zwei Straßen von der Schule entfernt anhalten und sprang aus dem Auto. ‚Bist du sicher, dass ich dich hier rauslassen soll?‘, fragte sie besorgt. ‚Ja Mama!‘, genervt verdreh­te ich die Augen, sie war immer so überbesorgt. Aber das fehlte mir gerade noch, dass sie mich mit unserem großen Angeberauto bis direkt vor die Schule fuhr.“
Lennarts Sorgen unterscheiden sich erheblich von denen Chiaras, die aus ganz anderen Verhältnissen stammt. Beide tun sich mit einer Annäherung zunächst schwer.

Die dritte prämierte Erzählung von Kaja von Eynatten, ebenfalls aus der 8e1, befasst sich mit einer weit entfernten fremden Welt. In „Meine erste Brieffreundin“ geht es um die Begegnung mit einer anderen Kultur:
„Hallo Idalia. Mein Name ist Josefine, ich bin ein Samburu Mädchen. Meine Mutter bringt für mich die Briefe zur Post, ich weiß nicht, wie sie es geschafft hat, dass der Brief dort an dich adressiert und abgeschickt wurde. Sie ruft gerade, ich muss ihr mit den Ziegen helfen. Wie immer! Josefine. – Idalia schaute glücklich von dem Brief auf. Sie hatte endlich eine Brieffreundin!
Die Brieffreundschaft erweist sich bald als große Herausforderungen für beide Mädchen, und es gelingt der Autorin nicht nur zu zeigen, wie unterschiedlich Menschen aufwachsen, sondern auch, wie unvereinbar Wertvorstellungen sein können.

Die Deutschlehrer*innen freuen sich sehr, dass trotz der Corona-Bedingungen viele gute Texte eingereicht wurden. Dank gebührt daher vor allem den jungen Autor*innen, aber natürlich auch den beteiligten Lehrkräften und den Jury-Mitgliedern. Danke insbesondere an Marisa Rohrbeck vom Literarischen Zentrum, das auch in diesem Jahr gern die Siegerehrung ausgerichtet hätte.