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Elternbrief und Einladung der Personalräte südniedersächsischer Gymnasien

Wir, die Personalräte der südniedersächsischen Gymnasien sorgen uns um die Unterrichtsqualität unserer Schulen, um die Gesundheit der Lehrkräfte und die Zukunft der jungen Generation.

Die Landesregierung hat mit Wirkung vom 01.08.2014 beschlossen, die Unterrichtsverpflichtung der GymnasiallehrerInnen um eine Wochenstunde zu erhöhen und die zugesagte Altersermäßigung für Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen (!) zu streichen.

Diese Entscheidung stößt in den Kollegien auf entschiedenen Widerstand.

Gleichermaßen richtet sich der vehemente Protest gegen die PolitikvertreterInnen, die Probleme wie Lehrer- und Finanzmangel nicht im Dialog mit uns Lehrkräften regeln wollen, um gemeinsam eine Lösung im Konsens zu finden, sondern Anordnungen treffen.

Diese Vorgehensweise erleben die Kollegien als mangelnde Würdigung der Arbeit, die die Lehrkräfte täglich in den Schulen leisten. Wir empfinden es als einen Wortbruch, dass die Arbeitszeit während der Ausgleichsphase des Arbeitszeitkontos erhöht werden soll, obwohl die damalige SPD-Landesregierung bei der Einführung der Arbeitszeitkonten versichert hat, eine solche Arbeitszeiterhöhung werde nicht geschehen. Die Lehrkräfte mussten über einen Zeitraum von 10 Jahren zwei Unterrichtsstunden pro Woche zusätzlich geben.

Ein weiterer Wortbruch besteht darin, dass die zwischenzeitlich ausgesetzte Altersermäßigung nicht wie versprochen wieder ab dem 01.08.2014 eingeführt werden soll.

Wir Kollegien können es nicht akzeptieren, dass die Arbeitszeiten der Gymnasiallehrkräfte anderer Bundesländer als Argumentationsgrundlage herangezogen werden, dabei aber nicht berücksichtigt wird, dass außerhalb Niedersachsens Lehrkräfte wesentlich mehr Entlastung, Anerkennung und Unterstützung durch ihre Dienstherren erfahren wie

  • Altersermäßigung ,
  • Gehalt,
  • Anzahl der Beförderungsstellen,
  • Entlastungsstunden für die Übernahme außerunterrichtlicher Aufgaben,
  • Ausstattung auch der Gymnasien mit Unterstützungspersonal wie z.B. Sozialpädagogen, Unterstützung für neue Technologien.

Unser vehementer Protest muss vor dem Hintergrund der gravierenden Umwälzungen und Erneuerungen in den Gymnasien gesehen werden, die in den vergangenen Jahren von den Kollegien bewältigt wurden, wie zum Beispiel:

  • Erarbeitung neuer Schulcurricula,
  • Umstellung auf G8,
  • Veränderung der Schulverfassung,
  • tiefgreifende Umgestaltung durch die Einführung der eigenverantwortlichen Schule.

Dies alles erfolgte in einer Phase, in der wir Gymnasiallehrkräfte durch die unbezahlte Mehrarbeit im Rahmen des verpflichtenden Arbeitszeitkontos dem Land einen zinslosen Kredit in Millionenhöhe erwirtschaftet haben. Die verdiente Rückzahlungsphase nun durch Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung zu neutralisieren, wird als einseitige Aufkündigung und als Wortbruch einer im Konsens getroffenen Maßnahme verstanden. Letztlich bedeutet die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung eine Gehaltkürzung von über 4%.

Gute Schule zu gestalten bedeutet nicht nur, guten Unterricht zu machen. Wir sehen uns zunehmend päda-gogischen Herausforderungen im Hinblick auf eine heterogene Schülerschaft gegenüber. Gymnasialkollegien müssen das in der Regel ohne Unterstützungspersonal wie Sozialpädagogen oder Psychologen leisten.

Gute Schule lebt davon, dass wir uns als Lehrkräfte diesen Aufgaben mit hohem Engagement stellen – weit über den Unterricht und unsere arbeitsrechtlichen Verpflichtungen hinaus. Der persönliche Einsatz in vielen Bereichen des Schullebens, ohne auf die zeitliche und häufig auch emotionale Belastung zu achten, prägt unsere Gymnasien in hohem Maße. Viele Lehrkräfte arbeiten so engagiert, dass sie ihre Belastungsgrenze überschreiten. Gerade auch ältere Kolleginnen und Kollegen benötigen zum Schutz der Gesundheit dringend die ursprünglich vorgesehene geringe Altersentlastung. Faktisch ergibt sich für GymnasiallehrerInnen, die älter als 55 Jahre sind, eine Stundenerhöhung von zwei Unterrichtsstunden pro Woche, d.h. eine Lerngruppe mehr pro Woche bzw. Schuljahr.

Wie ist es nun möglich, dass die Unterrichtsstundenzahl der Lehrkräfte erhöht werden soll, ohne dass sich – wie die Ministerin behauptet –an der tatsächlichen Arbeitszeit etwas verändert? Nach dem Niedersächsischen Beamtengesetz  beträgt die wöchentliche Arbeitszeit 40 Zeitstunden. Die tatsächliche Arbeitszeit der Lehr-kräfte liegt jetzt schon unter Einberechnung der Ferien mit mindestens 46 Zeitstunden pro Woche deutlich darüber. Die Grenze der Arbeitsbelastung ist längst erreicht.

Es lässt sich leicht vorstellen, welche Auswirkungen die beabsichtigte Unterrichtserhöhung haben wird:

  • Die Qualität des Unterrichts kann nicht mehr gewährleistet werden.
  • Es wird Zeit fehlen für die individuelle Förderung einzelner Schülerinnen und Schüler.
  • Die Vielfalt des Schullebens wird abnehmen. Die Kollegien der südniedersächsischen Schulen engagieren sich in hohem Maße über ihren Unterricht hinaus. Viele dieser freiwilligen Aktivitäten wie z.B. Wettbewerbe, Exkursionen, Fahrten aller Art, Schulkonzerte, Sportveranstaltungen, Weihnachts-feiern etc. werden dann nicht mehr organisiert bzw. betreut werden können.
  • Der von Schülern, Eltern und Kollegen hoch geschätzte frische Wind, den junge Kolleginnen und Kollegen in die Schulen bringen, um die Unterrichtsentwicklung voranzubringen, wird aufgrund der geplanten Maßnahmen versiegen, denn durch die Mehrarbeit der Kollegen entfallen ca. 1700 Stellen für junge Kolleginnen und Kollegen, was faktisch einem Einstellungsstopp gleichkommt. Das bedeutet auch, dass zukünftig durchschnittlich drei LehrerInnen pro Schule fehlen werden, die z.B. Klassen-leitungen übernehmen, Sammlungen betreuen oder die Bibliothek verwalten könnten etc..
  • Eine komplette Generation gut ausgebildeter und engagierter Referendarinnen und Referendare wird nicht in Niedersachsen eingestellt werden. Sie werden gezwungen, in andere Bundesländer abzuwandern oder sich einen anderen Beruf zu suchen. In die Ausbildung investierte Steuergelder werden somit verschwendet.
  • Die Kollegien werden überaltern und der Krankenstand wird steigen.

Diese Maßnahmen widersprechen der eigenen Offensive der Landesregierung unter dem Motto „Zukunftsoffensive Bildung – mehr Qualität für eine gute Bildung unserer Kinder“.

Als erste Konsequenz auf die beschlossenen Maßnahmen der Landesregierung haben in Südniedersachsen bisher 12 von 13 Gymnasien Klassen- und Studienfahrten ausgesetzt. Weitere Reduzierungen der von den Lehrkräften freiwillig erbrachten Arbeitsleistungen werden unvermeidlich sein. 

Wir appellieren dringend an die Eltern: Sichern Sie die Bildungschancen Ihrer Kinder! Unterstützen Sie die Protestaktion der Lehrkräfte! Bringen Sie Ihren eigenen Protest zum Ausdruck!

Wir möchten mit Ihnen ins Gespräch kommen und laden Sie zu einem südniedersächsischen Elternabend am Montag 10.02.2014 um 19 Uhr in die Aula des Felix-Klein-Gymnasiums ein.

Die Personalräte der südniedersächsischen Gymnasien: Felix-Klein-Gym., Hainberg-Gym., Max-Planck-Gym., Otto-Hahn-Gym., Theodor-Heuss-Gym. in Gö., Eichsfeld-Gym., Gym. Goetheschule Einbeck, Grotefend-Gym. Münden, Gym. Corvinianum Northeim, Gym. Uslar, Jacobson-Gym. Seesen, Ernst-Moritz-Arndt-Gym.

Den Elternbrief zum Nachlesen gibt es hier.