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8e2 beim Workshop mit der Künstlerin Madeleine Stillwell – Neue Kooperation des Kunst-Fachbereiches mit dem Kunstverein

„Ist sie cool?“, fragt der Klassensprecher, „Ich möchte ein Foto mit ihr. Es ist ja eine richtige Künstlerin.“ Er traut sich nicht gleich zu fragen, als im Künstlerhaus Madeleine Stillwell auf der Treppe steht. Sie ist nämlich wirklich ziemlich cool. Mit ihrem begeisterten Auftreten gefällt sie den Schülerinnen und Schülern der 8e2 sofort. Heute steht statt Kunstunterricht ein Workshop mit der aus den USA kommenden und seit fünf Jahren in Berlin lebenden Performerin und Bildhauerin auf dem Programm, vier Stunden lang.

Zunächst gibt es zusammen mit Carola Gottschalk, die das neue Kunstvermittlungsprogramm koordiniert,  einen Rundgang durch die Ausstellung „Movement matters“, die der Kunstverein derzeit im Lichtenberghaus in der Gotmarstraße zeigt. Bereits zu der Ausstellung “Zugabe” von Nevin Aladag entwickelte sich die Zusammenarbeit mit den Kunstvermittlern, es folgte eine Fotografie-Lektion und auch der Brigg-Filmer Yukihiro Taguchi hat Schülerinnen und Schülern der 9e1 seine Kunst näher gebracht.

Die mit Tinte schreibenden Kreisel von Antonio Paucar  fesseln die Aufmerksamkeit der 28 Achtklässler, nach der sich auf John Cage beziehenden Installation „Third Hand“ des Wieners Nicolaus Gansterer rücken dann aber die Plastiken von Stillwell ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Seltsame Bruchstücke, rostiger Bauschutt und Abfall von Baustellen sind miteinander verquickt, farbiger Gips quillt an den Grenzschichten hervor wie die Wolken Tiepolos.

„Was soll das?“ – moderne Kunst macht manchmal sprachlos, aber Madeleine Stillwell kann man das alles mal fragen, ohne sich irgendwie komisch zu fühlen. „Ich mag das Gefühl, etwas Hässliches unbedingt haben zu wollen, damit arbeiten zu wollen und es anzufassen. Ich finde es auch schön“, antwortet sie.

Unten im Gewölbekeller packen die Schüler dann ihre eigenen Taschen und Plastiktüten aus, mitgebracht haben sie keine Shoppingergebnisse, wie man bei den Aufdrucken vermuten könnte, sondern etwas Altes, Gebrauchtes, Ausrangiertes oder Baufälliges: eine alte Luftmatratze, Farbrollen, Bretter, einen Toaster, Uhren, Telefone, ein Badezimmerregal, Drähte und Kuscheltiere. Der Schrott, von dessen Vielfalt Madeleine Stillwell ganz verzückt ist, bildet die Grundlage für den Workshop. Nach Übungen mit Papier, die spielerisch untersuchen, wie aus etwas Zweidimensionalem Figuren im Raum werden können, wird den Formen des mitgebrachten Materials nachgespürt. Sie werden geschoben und gebogen, zusammengesteckt und verdrahtet, geknotet und getackert. Madeleine Stillwell ist zwischen den Gruppentischen unterwegs und bestärkt alle in ihrem Tun: „Cool! Das sieht so toll aus!“ Zum Schluss stehen die Grundformen und es kommt der Gips. Mit Tempera eingefärbt wird er zur Stabilisation der Objekte, aber auch nur um seiner selbst willen verwendet. Er gleitet und glitscht durch die Hände, wird gekittet und gegossen und dann doch auch recht schnell hart. Er hält zusammen, was jetzt zusammen gehört.

Wer von den Schülern am Anfang noch dachte, das sei nichts für ihn, wurde eines besseren belehrt: Ale wollten diesen Gips oder die Farbe haben, anfassen, zwischen den Händen spüren und mit ihm die rauschhafte Schaffenskraft, die sich im Keller breitgemacht hat. Begeisterung brandet am Schutt entlang, Experimentierfreudigkeit saust frei herum und schäumt an den Tischen auf. Die Zeit verging so schnell! Am Ende strahlen alle und es gibt viele beglückende Bilder auf den Smartphones: mit Gips, mit Madeleine, mit der eigenen Kunst.