Exkursion zum Sanitätshauss o|r|t

„Wenn ihr nachher Hunger habt, könnt ihr belegte Brötchen essen, die hab' ich heute Morgen noch für euch geschmiert.“ Dass Herr Djanie und Frau Doerwald am Samstagvormittag extra zum Arbeitsplatz kommen, obwohl beide im Prüfungsstress stecken, um uns – einer kleinen (aber feinen) „Pfiffikus-Gruppe“ – am 25. Mai vormittags den Betrieb zu zeigen, ist schon besonders nett, aber dass wir auch noch so freundlich versorgt wurden, war eine der Überraschungen, die uns begegneten.

Orthese, Bandage, Prothese: Diese Begriffe spielten während der zweistündigen Führung eine wichtige Rolle und wer glaubt, dies sei eher langweilig oder befremdlich, ist auf dem Holzweg. Apropos: Mit Holz und dem Bild vom einbeinigen Piraten hat moderne Orthopädie-Technik nichts mehr zu tun. Um die Funktionen eines gesunden Beines annähernd zu ersetzen, sind hochwertige, flexible Materialien und Hightech nötig. Dies konnten wir sehen, als ein Mitarbeiter und Träger einer Beinprothese zeigte, was sein künstliches Kniegelenk leisten muss, damit er sich problemlos setzen oder eine Treppe hinuntergehen kann. Per Computer durften wir die Beweglichkeit seines Gelenks verlangsamen oder beschleunigen, um gleich festzustellen, wie sich das auf die Bewegung auswirkt. Und der Selbstversuch, sich mit nur einem Bein auf einen Stuhl zu setzen, ohne dass das zweite Bein mithilft, zeigte uns auf einfache aber eindrückliche Weise, wie sehr wir auf reibungslose Bewegungsabläufe angewiesen sind, ohne uns dessen bewusst zu sein.

Doch nicht nur Computer und moderne Technik machen einen Orthopädie-Betrieb aus. Neben einer kleinen Schuster-Abteilung für speziell gefertigte Schuhe gibt es einen Gipsraum, einen Bereich, in dem Kunsstoffe geschmolzen werden, um z. B. Orthesen (Hilfsmittel zur Korrektur von Fehlstellungen / Bewegungen etc.) zu bearbeiten, eine Schneiderei, die Bandagen und Stoffbezüge anfertigt - kurz: unterschiedliche Werkstätten, in denen all die Arbeitsschritte ablaufen, die nötig sind, um eine auf den ersten Blick unscheinbare Einlage oder Fuß-Orthese nach individuellen Bedürfnissen herzustellen. Schraubzwingen, Schleif- und Nähmaschinen und Schmelzplatten sind hier genauso wichtig wie Bluetooth-gesteuerte Gelenke oder modernste Rollstuhltechnologie.

Wir danken Herrn Balschun, der zusammen mit Frau Lühder diese Exkursion ermöglicht und uns sehr freundlich und zugewandt betreut hat und natürlich ganz besonders Herrn Djanie und Frau Doerwald, die uns durch den Betrieb führten und versuchten, allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Die gute Laune und der Spaß an der Arbeit waren nicht Teil einer 'Vorführung', sondern zeigten Menschen, die mit großer Begeisterung ihren neuen Beruf anstreben. Dafür wünschen wir alle viel Erfolg!